Lößnitzer Impressionen
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Abrissmaßnahme Textil GmbH

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Die Stadtverwaltung Lößnitz plant den Abbruch der Baulichkeiten der jetzigen Textil GmbH Lößnitz und weiterer unmittelbar angrenzenden Bauten, welche historisch betrachtet dem Unternehmen mit zugeordnet werden können. Das Gelände der Textil GmbH Lößnitz mit seiner auffallenden Lage inmitten des Ortes, unweit der historischen Lößnitzer Altstadt, markiert mit seinen umfangreichen Baulichkeiten seit einiger Zeit mit eines der größten städtebaulichen Defizite, welchem abgeholfen werden muss.
Die Flächen befinden sich in der Talaue des Lößnitzbaches in etwas über 400m Höhe über NN. Das Gelände ist fast eben. Eingegrenzt wird das Areal im Norden bzw. Nordosten vom Stadtpark und hauptsächlich 2-geschossigen Bauten (zumeist Gewerbe) entlang der Fabrikgasse, im Osten bzw. Südosten von der Bundesstraße B169, im Süden bzw. Südwesten von der Wiesenstraße bzw. von sich hier entlang erstreckenden Grundstücken und im Westen bzw. Nordwesten von Grundstücken entlang der R.-Weber-Straße.
Die relevanten Flurstücke 143/3, 135, 136a, 151/3 und 151/4 der Gemarkung Lößnitz sind gegenwärtig weitgehend vollständig versiegelt, der Bach ist in Teilen überbaut, das Gepräge zeigt ein recht verschlissenes Bild.
Nachfolgend soll die historische Entwicklung des Geländes behandelt werden, wobei einige Zeiträume im Zuge der Recherche nur kurz behandelt werden konnten. Auf der geologischen Spezialkarte des Königreiches Sachsen von 1880 ist das Gelände noch zu großen Teilen unbebaut, wobei erste, langgestreckte Gebäude in diesem Abschnitt zu erkennen sind (Bereich der jetzigen Fabrikgasse und entlang des Baches in Richtung Wiesenstraße). Bei Letzterem handelt es sich möglicherweise um den ersten Bau für die Putzwollefabrik Rothe, die beginnend in den 1870-er Jahren errichtet wurde. Dieses Unternehmen war eines von dreien, welche sich, unmittelbar aneinander angrenzend, Ende des 19.Jh. der Produktion von Putzwolle bzw. Textilien zur Reinigung verschrieben hatten. Während das Unternehmen Rothe und die Putzwollefabrik Meyer, welche sich weiter nach Nordosten anschließt und die weitestgehend der jetzigen Textil GmbH entspricht, sich zu recht umfangreichen und prosperierenden Unternehmungen entwickelten, verblieb die dritte Fabrik auf einem recht bescheidenen Niveau. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte, insbesondere auch kurz nach 1900, erfolgten umfangreichere Erweiterungen beider Fabriken, welche offenbar recht intensiv konkurrierten. Die Flächen wurden intensiver überbaut, wobei dies speziell auf den Bereich der Meyerschen Fabrik zutrifft. Längere Unterbrechungen in der Produktion konnten nicht festgestellt werden.
Einen deutlichen Aufschwung nahmen die Unternehmungen in der 2.Hälfte der 30-er Jahre des 20.Jahrhunderts bzw. zur Zeit des 2.Weltkrieges. Es entstanden verschiedene Neubauten, insbesondere im Ergebnis von Brandereignissen in den Firmen. Die Wichtigkeit dieser Werke und der damit verbundene schnelle Wiederaufbau erklärt sich wohl daraus, dass hier u.a. gebrauchte Putzwolle in immensen Größenordnungen gereinigt wurde und daraus neuerlich Fette und Öle etc. gewonnen wurden, die für die Kriegsführung von enormer Bedeutung waren. Es ist damit wohl davon auszugehen, dass hier in Anbetracht der Bedeutung des Unternehmens auf Belange der Umwelt wenig Rücksicht genommen wurde. Insbesondere zu den Entwicklungen beim Gewässerschutz lag aber umfangreicher Schriftverkehr vor, da zu jener Zeit offensichtlich Probleme vorherrschten, die die Qualität der Fließgewässer deutlich beeinträchtigt haben.
Diesem Zustand wurde auch, obwohl eine Kläranlage existierte, zu DDR-Zeiten nicht abgeholfen. Als VEB Textilverarbeitung Lößnitz existierten beide Firmen unter einem Dach weiter. Neben der Produktion von Putzwolle und Reinigungstextilien wurde Nadelvlies hergestellt bzw. es existierten mehrere Wäschereien (der Fertigung zugeordnet). Ein Großteil der Gebäude wurde wiederum auf Verschleiß gefahren, größere Neubauten gab es mit der Kohlehalle in Richtung B 169 und der Leichtbauhalle neben der Verwaltung.
Mit der Wende verloren fast alle der hier Tätigen ihre Arbeit, lediglich ein kleiner Teil des Personals konnte gehalten werden. Das Areal der früheren Textilverarbeitung gehört nach vorliegender Erkenntnis unterschiedlichen Eigentümern, die aktuelle Textil GmbH Lößnitz umfasst die Fläche der früheren Meyerschen Fabrik. Ein Teil der Bauten der ehem. Fabrik Rothe wurden bereits abgebrochen. Die Gebäude stehen in Größenordnungen leer. Der über 50 Meter hohe Schornstein wurde bereits abgebrochen.
Der eigentliche Abbruch wird eine deutliche Aufwertung des Stadtbildes mit sich bringen. Mit der Beseitigung von rund 70.000m³ BRI umbauten Raum inmitten der Stadt und unmittelbar angrenzend an den Stadtpark erhält dieser zentrale Abschnitt ein deutlich verbessertes Erscheinungsbild. Es verbessern sich die städtebaulichen Gegebenheiten und die ökologischen Parameter dieses Teiles der Stadt. Die Zielstellung des Vorhabens formuliert sich u.a. wie folgt.
• Beseitigung versiegelter Flächen in Größenordnungen (entspricht fast vollständig der Gesamtfläche des Abbruchgeländes mit ca. 14.000m²)
• Die stadtklimatische Situation verbessert sich deutlich durch die Anlage neuer Grünflächen bzw. naturnaher Bereiche
• Verbesserung des Hochwasserschutzes und Renaturierung eines Teilabschnittes des Lößnitzbaches
• Beseitigung einer Altlast und Verbesserung des Zustandes der Schutzgüter Boden und Wasser
• verbesserte Freizeitangebote unmittelbar im Stadtzentrum, ebenso Schaffung von Ruhe und Erholungsbereichen unmittelbar im Zentrum
Mit der Realisierung der Maßnahmetritt eine nachhaltige Verbesserung der Situation in der Innenstadt, insbesondere entlang der R.-Weber-Straße ein. Die bereits realisierten und deutlich sichtbaren privaten und kommunalen Anstrengungen zur Aufwertung des Stadtbildes und der Wohnbedingungen würden einen zusätzlichen Schub erfahren.
Aktuell ist insbesondere im Bereich der o.g. Straße eine sehr deutliche Diskrepanz zwischen angenehm gestalteten Straßenräumen und oft aufwändig instandgesetzten, z.T. sehr repräsentativen Wohn- und Geschäftshäusern auf der einen Seite und den verschlissenen und z.T. verfallenden Industriebrachen in unmittelbarer Nachbarschaft erlebbar. Gerade vor dem Hintergrund, dass hier noch ein geringer Leerstand herrscht und dass das Wohnen in den Zentren / historischen Stadtkernen gestärkt und gefördert werden soll, bietet diese Maßnahme hervorragende, ja geradezu mustergültige Vorrausetzungen. Auf einem Abschnitt des Geländes, wo sich die Situation des Untergrundes absehbar als unkritisch zeigt, ist eine spätere Nutzung als Spielplatz angedacht - ggf. auch als überdachte Fläche unter Nutzung eines vorhandenen Gebäudes. Dies bleibt der zukünftigen Detail-/Fachplanung vorbehalten.
Die Maßnahme soll in 3 Abschnitten im Zeitraum 2011 bis 2016 realisiert werden. Für einen 1. Bauabschnitt, welcher den Abbruch von Teilbereichen auf dem Flurstück 151/4 der Gemarkung Lößnitz erfasst, wurden durch die Landesdirektion Chemnitz bereits Fördermittel aus den Programmen EU-Strukturfondsförderung im Freistaat Sachsen 2007-2013, Teil Europäischer Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) über das Förderprogramm „Revitalisierung von Brachflächen“ gemäß Abschnitt C der Verwaltungsvorschrift VwV-Stadtentwicklung vom 20.05.2008 sowie nach der VwV Brachflächenrevitalisierung vom 10.02.2009 bewilligt.
Der 1. Bauabschnitt wurde in den Jahren 2011/12 realisiert. Voraussichtlich im Januar 2014 wird damit begonnen, ein weiteres Teilstück der Industrieanlage „Textilverarbeitungswerk Lößnitz“ zwischen der Wiesenstraße und der Fabrikgasse abzutragen. Die Realisierung der weiteren Abschnitte erfolgt in den kommenden Jahren nach Bewilligung der Fördermittel durch die Landesdirektion Chemnitz.


Abriss Textil-GmbHI
Abriss Textil-GmbHII
 
 
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